Windige "Börsenexperten" haben das Internet als Medium für sich entdeckt und versenden massenhaft Aktientipps. Wer gutgläubig danach handelt, hat in den meisten Fällen das Nachsehen. Wir sagen Ihnen, wie die Masche funktioniert - und wie Sie den Betrügern Paroli bieten.
Die E-Mails sehen auf den ersten Blick aus wie professionelle, fundierte Investment-Newsletter. Dahinter verbergen sich scheinbar hochkarätige Profis, die sich häufig mit einem Doktortitel schmücken und hervorragende Aussichten für die Kursentwicklung einer Aktie versprechen. Tatsächlich gibt es diese Experten überhaupt nicht. Die Betrüger, die sich hinter den wohlklingenden Namen verstecken, haben nur ein Interesse: E-Mail-Empfänger zum Kauf von Aktien mit geringem Wert (sogenannte Penny-Stocks) zu verleiten, damit deren Kurs steigt.
Vor dem Versand der Massenmails kauft der Stockspammer Aktien kleiner Unternehmen im großen Stil und zu einem günstigen Kurs. Danach versendet er die Spam-Mails mit vermeintlichen Insider-Tipps, um Dritte zum Kauf zu animieren und den Kurs in die Höhe zu treiben. Auch wenn daraufhin nur wenige E-Mail-Empfänger Aktien erwerben, wird der Preis der Aktie künstlich gesteigert. Nach dem Anstieg des Kurses setzen die Absender auf eine schnelle Gewinnmitnahme und steigen aus, woraufhin der Kurs zusammenbricht. Wer spät gekauft hat und nicht rechtzeitig abspringt, verliert.
Der Versand von Spam ist grundsätzlich strafbar, wenn er zum Erfolg führt - bei Misserfolg liegt eine Ordnungswidrigkeit vor. Beides wird mit empfindlichen Freiheitsstrafen und Bußgeld geahndet. Das Problem: Die Herkunft von Spam lässt sich in den meisten Fällen nicht ermitteln. Die Wortwahl lässt jedoch oft auf Absender aus Asien und Osteuropa schließen. In anderen Fällen werden sogenannte Bot-Netze genutzt, also mit Viren, Würmern oder Trojanern verseuchte PCs, die Spam-Mails automatisch versenden - zumeist ohne das Wissen der Besitzer.
Wissenschaftler der Universität Mannheim haben folgendes Prinzip ausgemacht: In den ersten drei Tagen einer Spam-Welle (auch Spam-Run genannt) steigen die beworbenen Aktien um bis zu zwei Prozent. Daraufhin konsolidiert sich der Kurs, um schließlich kräftig zu fallen. Dies ist dann der Fall, wenn die Spam-Auftraggeber ihren Gewinn realisieren. Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler, dass sich in den ersten Tagen nach dem Spam-Versand das Handelsvolumen der Aktien im Durchschnitt mehr als verdoppelte.
Da die Kaufempfehlungen massenhaft verschickt werden, gibt es tatsächlich genügend Empfänger, die aufgrund einer solchen Mail die Aktie kaufen. Die beste Art, auf solche Mails zu reagieren, ist ignorieren. Denn wer würde einen echten Insidertipp schon an Millionen Unbekannte schicken?
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